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Theaterproduktion “Zwischenfälle”

Das neue Jahr hat längst -fast unbemerkt von mir- begonnen … mit einer spannenden Arbeit von Kostümentwürfen und Umsetzungen zu einer Produktion des Theaters im Marienbad unter der Regie Stephan Weilands an. 20.01.2012: Es war eine tolle Premiere und ich bin glücklich wieder einmal mit dem Ensemble gearbeitet zu haben!!!!

"ich heirate heute"

Szenen von Daniil Charms

„Es ist gefährlich über alles nachzudenken, was einem so einfällt“ D. Charms

“Zwischenfälle”

Regie: Stephan Weiland
Choreographie: Gary Joplin
Bühne: Bernhard Ott
Kostüm: Sabine Steinort
Musik/Komposition: Amir Teymuri
Dramaturgie: Sonja Karadza
Regieassistenz: Julia Bachmann
Es spielen:
Dagny Borsdorf,
Renate Obermaier,
Kirsten Trustaedt-Kümmel,
Dietmar Kohn,
Heinzl Spagl
Technische Leitung: Bernhard Ott
Licht: Bernhard Ott, Hanna Rebstock
Bühnenbau: Bernhard Ott, Manfred Loritz, Hanna Rebstock, Aaron Anderssen

Rechte: Verlag der Autoren, Frankfurt

Daniil Charms, so eines der etwa 30 Pseudonyme Daniil Ivanovic Juvacevs, wurde 1905 in Petersburg geboren.  Ihn, den Meister des Absurden, interessierte nur der „Quatsch“, „das Leben nur in seiner unsinnigen Erscheinung“. Seine Alltagsbeschreibungen wirken komisch und sind durchaus als Vorläufer von Mr. Bean oder Loriot zu verstehen. „Doch nicht seine Erzählungen sind absurd und alogisch“, schreibt sein Freund Jakov Druskin, „sondern das Leben, das er in ihnen beschreibt“. „Wir lachen“, so sein Übersetzer Peter Urban, „doch das Lachen bleibt einem im Halse stecken, führt man sich vor, unter welchen Umständen Daniil Charms gelebt hat: Bürgerkrieg, Hunger, Terror, Brutalisierung des Alltags, Schrecken des politischen Lebens und nicht zuletzt das Hausen in Zwangsgemeinschaften, den sogenannten Kommunalkas“. All diese Erfahrungen stecken in seinen Texten, und dennoch oder gerade deswegen bereiten sie uns großes Vergnügen. Es ist der kindliche Blick Daniil Charms` auf uns scheinbar Vertrautes, der dies möglich macht. In seinen Texten wird deutlich, dass die Realität, wie wir sie begreifen, nur eine Konstruktion ist, die durch geringste Verschiebungen oder Störungen einen neuen Sinn erfährt bzw. den ursprünglichen ad absurdum führt. Die Grenze zwischen Einbildung und Realität ist fließend, selbst der Gegenstände ist man sich nie sicher, auch diese führen ein Eigenleben. Daniil Charms starb, kurz nach Beginn der deutschen Blockade Leningrads, unter ungeklärten Umständen im Gefängnis Kresty, es heißt, er sei verhungert.

Über und vom Komponisten Amir Teymuri:
(Charms – und die Stille nach der Musik)
Die Musik zu diesem Theaterstück ist ähnlich wie das Stück selbst als eine Art “work in progress” entstanden: entlang der Probenarbeit habe ich gemeinsam mit verschiedenen Instrumentalisten mit Klängen und Klangfarben sowie mit Geräuschen und Zitaten experimentiert, um diese später in der endgültigen Fassung zu einem akustischen Raum zusammenzuführen, in welchem dasTheaterensemble agiert. In diesem Raum sollen sich die unterschiedlichen Spannungen, die tragischen, komödiantischen und absurden Aspekte der Texte herauskristallisieren können. Dabei spielt auch das Wechselspiel von An- und Abwesentheit von Musik eine wichtige Rolle. Gerade die Stille nach der Musik kann eine neue Perspektive auf das Geschehen auf der Bühne erzeugen. (Amir Teymuri, Komponist)

Amir Teymuri

Amir Teymuri (geboren 1984 in Kermanshah, Iran) ist ein iranischer Komponist von größtenteils kammermusikalischen Werken. Er studierte Komposition an der Fakultät für Musik und Darstellende Künste der Teheraner Universität und an der Hochschule für Musik Freiburg mit Cornelius Schwehr.


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